Der Clown mit den falschen Augen

Der Clown mit den falschen Augen

Ein Clown experimentierte mit verschiedenen Mitteln, um fröhlicher zu werden, aber es misslang ihm. Stattdessen machten seine Augen die Leute zu Narren. Ja, zu richtigen Narren! Sie trugen sogar die Kleidung der Narren. Zwei hatte er schon zu Narren verzaubert und sich köstlich amüsiert, wie sie die Leute auf dem Marktplatz unterhielten. „Nun werde ich auf Wanderschaft gehen. Jedes Dorf und jede Stadt braucht Narren, nicht zu viele und nicht zu wenige“, sagte er und machte sich auf den Weg.
„Na, endlich habe ich die Großstadt erreicht, die ich erreichen wollte.“ Er ging zum Marktplatz und schaute sich um. „Hey, du, komm mal her! Schau mir tief in die Augen, dann bekommst du diese zwei Goldstücke!“ Gierig schaute der angesprochene arme Mann auf die Goldstücke, dann schaute er dem Clown tief in die Augen und war, zack, ein Narr. Er tanzte wie toll, ärgerte und narrte die Leute. Lachend suchte sich der Clown ein neues Opfer, sah einen reichen Edelmann mit krummer Nase und ging zu ihm. „Hier, Freund, wenn du mir tief in die Augen schaust, bekommst du dieses Säckchen mit Goldmünzen.“ Der Edelmann freute sich und schaute dem Clown tief in die Augen. Hui, da war er ein großer Narr und fing gleich an, die Leute zu veräppeln.
„Haha, nur die Gier macht die Leute zu Narren“, rief der Clown dem Edelmann hinterher. „So, mal schauen. Ja, der ist der Richtige. Hey, Bursche, komm mal her! Hier, schau, das soll dein sein, wenn du mir tief in die Augen schaust.“ Der junge fette Bursche mit den langen Ohren schaute dem Clown in die Augen. Schwupp, da war er ein fetter Narr. „So, genug, ich geh weiter. Es gibt noch so viele Städte, die Narren brauchen.“ Und so machte sich der Clown auf den Weg, um noch viele zu verzaubern. „So, nach dem langen Marsch werde ich erstmal in eine Taverne gehen.“ Der Clown ging zum Marktplatz. Viel zu essen hatte er nicht mehr, fünf Tage war er unterwegs gewesen. „Ah, die Taverne sieht gut aus, also hinein.“ –
„Guten Tag, Herr Bürgermeister, ich freue mich, Sie so munter zu sehen“, rief der Gastwirt dem dicken Klops zu, der gerade ebenfalls in die Taverne kam. „Noch hässlicher geht es nicht“, rief der Clown in den Raum und schaute schnell woandershin. Der fette Bürgermeister hatte gehört, was der Clown gesagt hatte, ging zu ihm und setzte sich an den Tisch. „Ich, hässlich? So eine Frechheit“, meinte der Bürgermeister wütend und starrte den Clown grimmig an. Der Clown grinste nur und schaute den fetten Bürgermeister an. Der hässliche Bürgermeister schaute dem Clown grimmig in die Augen, hoppla, da war der fette Bürgermeister ein noch hässlicherer Narr. Er rannte wie ein Verrückter zur Tür und eilte davon.
„Haha, unser dicker Bürgermeister ist ein Narr, das ist gut“, rief der Gastwirt vergnügt und setzte sich vor Lachen auf einen Stuhl. „Ei, das wird lustig, der ist wirklich hässlich“, rief der Clown vor Freude und eilte dem Bürgermeister hinterher, um zu sehen, was passiert, damit er sich mal wieder richtig amüsieren kann. „Für seine Breite ist der Klops ganz schön schnell! Wo ist er denn? Ah, da ist er ja, der hässliche Narr!“ Der Bürgermeister stand auf einer Kiste mitten auf dem Marktplatz und veräppelte die Leute. Schnell eilte der Clown dahin, um zu hören, was der fette Bürgermeister sagte. „Immer am Futtern, was? Du dicke Anneliese!“ – „Für Sie, Herr Bürgermeister, immer noch ‚Edelfrau Weber‘, wenn ich bitten darf! Das werde ich meinem Gatten erzählen, dass Sie mich beleidigt haben.“ Mit erhobener Nase eilte die beleidigte Edelfrau davon, ging schnell um die Ecke. „Ei, da kommt ja unsere Grabschaufel. Na, Herr Pfaffe, wieder jemanden ins Loch geworfen? Haha!“, rief der fette Bürgermeister dem Pfarrer zu, der am Textilstand stand und sich Kleider anschaute.
„Gehen Sie lieber nach Hause, Herr Bürgermeister, ich glaube, Sie haben zu tief ins Glas geschaut. Ich werde für Sie beten.“ Beleidigt ging der Pfarrer zu seiner Kirche. Viele Leute standen lachend hinter dem Bürgermeister. Der sah lustig aus. Schnell eilte der Clown auf einen Lulatsch zu. „Na, Kumpel, das gehört dir, wenn du mir tief in die Augen schaust.“ Der Lulatsch griff nach dem Geld, schaute dem Clown tief in die Augen und rannte wie ein Verrückter als Narr davon. „Der ist aber gierig! So, diese Stadt hat genug Narren, ich werde meinen Sack füllen und weiterwandern.“ Vergnügt ging der Clown zum Bäcker und machte sich danach auf den Weg. „Diese Wiese sieht gemütlich aus, hier werde ich mich ausruhen.“ Er legte sich auf die bunte Wiese mit den langen Grashalmen. „Der kommt mir gerade recht, den werde ich ausrauben“, dachte sich ein Strauchdieb und schlich sich leise an den Clown heran.
„Hallo Freund, setz dich zu mir!“, rief der Clown dem Strauchdieb zu, als er nahe genug herangekommen war. Der Clown hatte noch nicht geschlafen und zum blauen Himmel geschaut, da hatte er jemanden kommen hören. Der Strauchdieb wollte den Clown packen. „Nicht so eilig, mein Freund! Schau mir in die Augen, dann siehst du, wie arm ich bin.“ Da schaute der Strauchdieb dem Clown in die Augen, hui, da war er ein Narr und eilte schnell davon. „Endlich Ruhe, jetzt wird mich wohl keiner mehr stören.“ Der Clown schlief gut und am nächsten Tag, nachdem die Sonne aufgegangen war, ging er weiter.

© Heiko Wohlgemuth