Der große Hecht und das kleine feine Fischerdorf

Der große Hecht und das kleine feine Fischerdorf

Ein sehr großer schlauer Hecht lässt sich nicht fangen, die Fischer ärgern sich darüber. Der große Hecht ist so schlau und raffiniert, dass er es immer wieder schaffte, den Angelhacken blitzblank zu fressen, ohne daran hängen zu bleiben. Der Hecht ist sehr stark und tapfer, er schnappte nach der Sehne von der Angel etwas unterhalb der Pose und zieht so kräftig an, dass die Pose weit untertaucht. Der Angler haut an und freut sich, einen großen Fisch gefangen zu haben. Aber der schlaue Hecht lässt sich nicht fangen, eine ganze Weile zieht er kräftig an der Sehne, dann lässt er plötzlich los. Plumps, da liegt der Angler verärgert auf seinem Hintern. Der große Hecht streckt seinen Kopf aus dem Wasser und grinst. Mit den Anglern, die sich ein Boot leisten können, geht er noch gemeiner um, da zieht er noch kräftiger. Platsch, da schwimmt der Angler verärgert in dem großen, breiten und langen Fluss und verliert dadurch sein ganzes Angelzeug, das sehr teuer war. Das freut den Hecht ungemein, er streckt seinen großen dicken Kopf aus dem Wasser und grinst vor Freude.
Ah, ein schöner, trüber, regnerischer Morgen, perfekt zum Angeln.“ Alfons, der große, riesige junge Angler mit dem hässlichen dicken Pickel unterm Auge, schaut aus dem Fenster und redet mit sich selbst, denn er ist nicht sehr schlau. Die Leute meinen, sein Grips steckt in seinen langen Beinen. Schnell schnappt Alfons seine Angelsachen und eilt zum Fluss, ein Angelboot hat er nicht mehr, das hat er leider versoffen, so blöd war er, denn auf dem Fluss fängt man viel mehr. Jetzt verdient er nicht mehr so viel, aber er säuft auch nicht mehr. Die jungen Frauen meiden ihn, erst schauten die Jungfrauen ihm nach. Mit fünfzehn zog er zu Hause aus, bekam von seinem Vater ein schönes Angelboot und ein kleines Grundstück geschenkt. Er baute sich eine kleine Hütte, verdiente gut und baute sich ein schönes Haus, richtete es ein, dann fing er an zu saufen, musste das Boot und die gute Einrichtung verkaufen. Jetzt will keine Jungfrau mehr etwas mit Alfons zu tun haben, weil er zu arm ist und eine Familie nicht ernähren kann.
Alfons eilt zum Fluss, hängt einen dicken Wurm an den Angelhaken, holt Schwung, sss, da saust die Sehne übers Wasser. Der große schlaue Hecht weiß genau, wem die leuchtende Pose gehört, dem dicken Blödian Alfons, da muss er noch ein bisschen stärker ziehen. Erst mal lässt es sich der große schlaue Hecht schmecken, knabbert den Haken blank, schnappt sich die Sehne dicht unter der Pose und zieht. Sofort schlägt der dumme Alfons an, freut sich schon, einen großen Fisch gefangen zu haben. Die anderen Angler schauen zu ihm und grinsen. Alfons kämpft und kämpft, da lässt der listige Hecht los. Plumps, da sitzt Alfons wutschnaubend auf seinem Hintern.
„Haha, der hinterlistige Hecht muss deine Pose kennen, Alfons, jeden Tag lässt er dich auf deinen fetten Arsch fallen, haha“, meint der alte Rentner, der nur noch zum Vergnügen angelt, denn er hat schon lange ausgesorgt und ist ein reicher Mann. Alle lachen, schauen aufs Wasser und sehen den großen Hecht, wie er seinen großen Kopf hervorstreckt und wieder verschwindet.
Diesen miesen Hecht erwische ich noch und dann geht es ihm sehr schlecht. Lacht nur.“ Verärgert geht Alfons zu einer anderen Ecke, um zu angeln. „Dem hat es unser schöner Hecht wieder gezeigt, er ist aber auch zu dumm und wechselt die Pose nicht, haha“, meint der Alte lächelnd und schaut aufs Wasser. Tobias fährt freudestrahlend mit seinem Angelboot zur Mitte vom Fluss. Tobias hat nur ein kleines schmales Angelboot, auch das kennt der schlaue Hecht, weil es so bunt angestrichen ist. Der schlaue Hecht schwimmt schnell zum Angelboot, denn auch Tobias hat immer einen leckeren Bissen an seinem Haken. Der alte Fischer kennt die Zeit, wenn Tobias seine Angel auswirft, greift neben sich zu seinem Fernglas, das er immer bei sich hat, genauso wie die anderen, die sich diesen Spaß nicht entgehen lassen wollen. Der Alte schaut durchs Fernglas und gibt das Zeichen, alle greifen schnell zu ihren Ferngläsern, denn jetzt wird es sehr lustig.
Tobias ist ein kleiner Schlappschwanz und geht jeden Tag baden. „Juhu, ich habe einen“, ruft Tobias vergnügt, haut an und zieht. Der Hecht zieht auch, aber nicht lange. Tobias steht im Boot, da lässt der fiese Hecht los. Platsch, da liegt Tobias im Fluss, sein Boot dreht sich und sein teures Angelzeug fällt ins Wasser.
Fluchend rudert Tobias mit den Armen und kämpft sich zur Wasseroberfläche. „Haha, der Hecht muss ganz schön gezogen haben. Schade, dass sein Vater ihm immer wieder das Angelzeug ersetzt. Tschüss, ich habe genug Fische, viel Spaß, ihr drei.“ Pfeifend macht sich der alte Fischer auf den Weg zu seinem großen schönen Giebelhaus. Seine Frau erwartet ihn jeden Morgen zum Frühstück, das sehr lecker ist, das möchte er nicht versäumen.

© Heiko Wohlgemuth